Abgefahren – Rollstuhlfahrer wird der Einstieg in ICE am frühen Morgen verweigert

Auf dem Foto sieht man einen Mitarbeiter der Deutschen Bahn, der einen Hublift an einen ICE schiebt

Abgefahren: Rollstuhlfahrer wird der Einstieg in ICE am frühen Morgen verweigert

Hublift wird an einen ICE geschoben (c) ISL

Bremen/Berlin, 21. Januar 2019. Dem Sprecherratsvorsitzenden des Deutschen Behindertenrates (DBR) und Vorstandsmitglied der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) Horst Frehe wurde vorherige Woche der Einstieg in einen ICE in Bremen verweigert. Er wollte einen wichtigen politischen frühen Termin am Donnerstagvormittag in Berlin wahrnehmen. Hierzu bot sich der einzige an diesem Tag durchgehende ICE von Bremen nach Berlin an, der Bremen um 5:15 verließ. Leider lehnte die Deutsche Bahn dem rollstuhlfahrenden Fahrgast die Einstiegshilfe am Hauptbahnhof in Bremen ab. Die Deutsche Bahn (DB) begründete dies mit nicht vorhandenem Personal am Bahnsteig, das den benötigten Hublift bedienen könne. Erst mit einem Zug ab 6 Uhr Dienstbeginn könne man Frehe den Einstieg in den ICE von Bremen nach Berlin ermöglichen.

„Durch diesen Umstand musste ich schon einen Abend vorher in Berlin anreisen und spontan ein barrierefreies Hotelzimmer für eine Übernachtung buchen. Dies stellt ganz klar eine Benachteiligung von behinderten Menschen dar. Die Deutsche Bahn verstößt mit dieser Verweigerungshaltung offensichtlich gegen die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Jeder Verkehrsanbieter sollte es ermöglichen, mobilitätseingeschränkten Personen zu allen Zeiten, zu denen Züge rollen, eine Ein- und Ausstiegsunterstützungsleistung anbieten zu können,“ fordert der behindertenpolitische Aktivist der ersten Stunde.

Frehe kommentiert zynisch: „Wenn alle Fahrgäste der DB erst mit einem Zug fahren dürften, wenn das Personal am Bahnsteig ihren Dienst aufnimmt, dann gäbe es wohl Tumulte an den Bahnhöfen.“

Für Menschen mit sogenannten Mobilitätseinschränkungen, die nicht alleine in einen Zug hineinkommen, ist dies jedoch immer noch bittere Realität. Der aktuelle Slogan der Deutschen Bahn ein „Gastgeber der Zukunft“ sein zu wollen, klingt dabei wie blanker Hohn. Die DB will derzeit ihre Servicequalität verbessern. Nach Ansicht der ISL und ihres Vorstandsmitglieds Frehe könnte sie bei ihrem Service für behinderte Menschen zeigen, wie ernst es ihr damit ist.

Quelle: http://isl-ev.de/index.php/aktuelles/nachrichten/2148-abgefahren-rollstuhlfahrer-wird-der-einstieg-in-ice-am-fruehen-morgen-verweigert?fbclid=IwAR1xSFVzoX85Y–UhZVJDOtADlHX0iKP322JWVBIiT9hV_L0LqJnLiw8434

 

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